dann die Nr. 2: Zugang

Dann kam Kay-Lee

Am Anfang gab es Gott, ein Paradies und unsere Unschuld. Das war schön und gut, nur irgendwie auch ziemlich ruhig. Aber dann gab es eine Stimme. Wir folgten ihren Verheißungen, bissen in den Apfel und plötzlich hatten wir Erkenntnis. Nur leider keine Ahnung wovon und wozu eigentlich. Doch noch bevor wir uns das überhaupt fragen konnten, wurden wir bereits vor die Tür gesetzt. Ohne Weg zurück und ohne Orientierung. Wenn man so will, beginnt unsere Geschichte also mit Verführung, Verlust und Vertreibung. Wir wollen so aber nicht. Denn mit dem ersten Schritt vor die Tür kamen auch die Wege nach vorn, die Lust und die Freiheit, diese zu gehen. Und mit dem zweiten Schritt kam Kay-Lee auf uns zu. Unsere Geschichte beginnt also auf der anderen Seite, mit dem Zugang.

Ein Zugang verbindet zwei Seiten. Er verbindet etwas oder jemanden mit etwas oder Anderen. Wo kein Zugang, da kein Austausch und wo kein Austausch, da kein Entstehen. Wo kein Zugang, da kein Einblick und wo kein Einblick, da kein Verstehen und wo kein Verständnis, da kein Miteinander. Wo kein Zugang, da auch kein Ausblick und und wo kein Ausblick, da kein Fortschritt. Unterm Strich bleibt ohne Zugang nur ein Zustand.

Und der aktuelle Zustand ist leider mehr als bedenklich. Es gibt Leute, die bereit sind andere Menschen „Absaufen, Absaufen!“ zu lassen, weil sie den Untergang des sogenannten Abendlandes fürchten. Dabei findet sich der Untergang in genau dieser Haltung. Aus Angst vor allem Möglichen verfällt man zittrig zurück in Denkmuster von Schwarz und Weiß, rein und raus, Außen und Innen. Das dazugehörige Motto: Die offene Gesellschaft hat schließlich auch ihre Grenzen klingt nur theoretisch anders als Absaufen. Ist praktisch aber genauso ängstlich und zynisch. Ebenso die Rede von Ankerzentren. Klingt nach sicherem Hafen, meint aber außereuropäische Abschiebelager. Oder der Name der neuen Mauer und deren Aufgabe: Front-Ex. Klingt als ob die Fronten Vergangenheit wären und Marineunterstütze Reiserückbegleitung ein kleiner Bootsausflug. Wir finden, Zynismus und Angst sind keine brauchbaren Zugänge zur Welt.

Welches ist denn Ihr favorisierter Zugang und zu was führt er? Vielleicht das Internet? Immerhin sind vor dessen Gesetzen alle gleich. Hier drinnen gibt’s Zukunft, Community, Sharing, jede Menge Knowhow, Austausch und Freunde. Klingt zumindest theoretisch fortschrittlich. Praktisch jedoch führen hier alle Wege nach Amazon oder in eine personalisierte Realityshow oder gehen irgendwo im weltweiten Datenmeer fischen.

Vielleicht dann doch lieber den Zugang über die klassischen Medien? Immerhin servieren die einen ausgewählten Zugang in mundgerechten und leicht verdaulichen Häppchen. Nur was verstehen wir von der Welt, wenn wir vier Monate lang ein WM-Aus, andauernd einen Präsidenten-Clown und in regelmäßigen Abständen eine königliche Hochzeit vorgesetzt bekommen? Wir verstehen sie in Fakten, theoretisch. Aber das bringt keinen Fortschritt, wenn dabei nicht verständlich wird, dass wir die Zustände in Syrien und Afghanistan und im Mittelmeer auch praktisch ändern müssen und ändern können – weil Fakten eben auch nur Möglichkeiten sind.

Dann lieber den Klassiker und Evergreen unter den Zugängen? Also Bildung? Ja. Das klingt nicht nur theoretisch immer noch gut, sondern ist auch praktisch immer wieder brauchbar. Wie wär’s also mit einem postmodernen progressiv-remix von Aufklärung und Humanismus? Immerhin klingt Aufklärung nach Mut und Verstand. Und Humanismus irgendwie nach …. Menschlichkeit. Ist Ihnen das zu old-school und Sie finden: „Aufklärung? Humanismus? Das ist doch sowas von 18. Jahrhundert, das haben wir doch längst hinter uns.“ Dann reisen Sie mit Kay-Lee Teratur zurück in die Zukunft. Denn Mut, Verstand und Mitmenschlichkeit sollten wir nicht hinter uns lassen, sondern einander wieder vorsetzen und überall zentral verankern. Nur mal so als Idee, auf die man wieder zugehen und mit der man den aktuellen Zustand angehen könnte.

Und wenn Sie jetzt denken: „Seine Zugänge wird man ja wohl noch wählen dürfen“, dann haben Sie fast recht. Korrekt müsste es heißen: Sie müssen sie wählen. Nur was macht diese Wahl mit den beiden Seiten? Was macht sie auf oder zu oder möglich? Was beendet sie und was fängt damit erst an? Denn jedem Anfang wohnt ein Zugang inne.

Sie sehen: Ein Zugang ist gut, viele sind besser aber super viele sind irgendwie schon wieder lähmend. Also nehmen Sie sich ruhig die Zeit und gehen auf alle 64 Seiten zu. Oder folgen Sie Kay-Lees Geschichte. Sie beschreibt etwas Fortlaufendes. Etwas über Bewegungen. Einen Weg.

In diesem Sinne: We wish you a pleasant journey & thank you for choosing Kay-Lee Teratur!

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